
Die temporäre Installation Draperien entstand im Rahmen einer Einladung der Commerzbankstiftung zur Teilnahme an einer Reihe künstlerischer Interventionen im Foyerbereich des Commerzbank-Gebäudes in Frankfurt am Main.
Die Künstlerin Amalia Barboza und ich realisierten jeweils eine Arbeit für diesen Raum. In der Gestaltung waren wir frei; lediglich die geltenden Sicherheits- und Brandschutzauflagen des Gebäudes mussten berücksichtigt werden.
Ziel der Intervention war es, den Raum durch künstlerische Mittel zu verändern und aufzuwerten.
Für meine Arbeit nutzte ich die mit Milchglas verkleideten, säulenartigen Wandelemente, die den asymmetrischen Raum strukturieren. Als Motiv entwickelte ich Darstellungen von Männern in Anzügen mit Rollkoffern, über denen großformatige griechische Theatermasken drapiert sind. Diese Masken ersetzen visuell die Köpfe der Figuren und verweisen auf Rollenbilder, Anonymität und Inszenierung im Kontext des Arbeits- und Transitraums Lobby.
Auf den glänzend bläulich-weißen Milchglassäulen arbeitete ich mit matter und glänzender Klebefolie, wodurch sich je nach Lichteinfall subtile Verschiebungen zwischen Oberfläche und Motiv ergaben.
Die technische Umsetzung erfolgte in Zusammenarbeit mit der Frankfurter Firma folienstar, die auf Auto- und großflächige Werbefolierungen spezialisiert ist.
Ort Commerzbank Lobby, Frankfurt am Main
Maße Größe der beklebten Fläche: 640 cm x 200 cm
Material Cuts aus matter und glänzender Klebefolie
Fotograf Cem Yüketas
Auszüge aus der Brochüre zur Ausstellung Draperies, Commerzbank Lobby, Frankfurt:
„Wie steht es mit dem Verhältnis von Bank und Kunst?“
Ein Gespräch zwischen den Künstlerinnen Amalia Barboza, Britta Jonas und der Kuratorin Astrid Kießling-Taşkın
… Britta Jonas: Für mich ist die Lobby als Ort für die Präsentation künstlerischer Arbeiten sehr schwierig. Es gibt keine glatten, weißen Wandflächen, die das Auge beruhigen. Überall erlauben die Glasfassade und -wände Durchblicke. Eine Vielzahl von optischen Eindrücken wirkt immer gleichzeitig, auch ohne Kunst. Man merkt, dass der Raum zu ganz anderen Zwecken konzipiert worden ist und für sich als Architektur stehen und wirken soll. Ein anderer Aspekt ist, dass die Commerzbank- Lobby ein Ort ist, an dem es vorrangig um ganz andere Dinge geht, als um das Betrachten von Kunst. Es laufen, Tag für Tag, sehr viele Menschen durch die Räume, aber nicht unbedingt mit der Muse, sich mit Kunst zu beschäftigen. Sie arbeiten und ihre Gedanken kreisen um andere Themen. Diese Aspekte kann man negativ betrachten oder aber sie als interessant ansehen. Mich hat die Herausforderung gereizt, für einen solchen Ort eine Idee zu entwickeln….
Astrid Kießling-Taşkın: Beim Thema Bank und Kleidung denkt man sofort an den klassischen Business-Anzug in einem Farbspektrum zwischen Grau und Schwarz, egal ob das Männer oder Frauen betrifft. Der schöne Satz „Was ich trage, bin ich“ trifft hier vermutlich nur bedingt zu. Was meint ihr?
Amalia Barboza: Ich habe viele Interviews mit den Mitarbeitern der Bank geführt. Und immer wenn jemand sagte: „Ich sehe am Wochenende ganz ganz anders aus.“, und dieses „ganz“ stark betonte, musste ich tatsächlich daran denken, dass der Anzug wie eine Art Kulisse oder wie ein Kostüm funktioniert, und dass sich dahinter etwas ganz anderes verstecken könnte. Und oft musste ich an Superman denken, oder an irgendeine Comic-Heldenfigur, die unter dem Anzug ein buntes Heldenkleid trägt. – Aber bei vielen Mitarbeitern ist der Anzug oder das Kostüm keine Kulisse, sondern für die jeweilige Person die richtige Form sich zu präsentieren. Man könnte fast sagen, dass der Anzug so wie die griechischen Theatermasken der Antike funktioniert. Diese sollten nichts verstecken oder verwandeln, sondern im Gegenteil, sie sollten ein Gefühl oder einen Charakter besser zum Ausdruck bringen. Ich denke, Britta, dass deine Masken verschiedene Charaktere darstellen.
Britta Jonas: Es gibt vier verschiedene Charaktere: einen alten Mann mit Bart, eine Art König mit einer angedeuteten Krone, einen leicht diabolischen Charakter mit gedrehten Hörnchen an der Stirn und ein weibliches Wesen. Ich hatte die Darstellung griechischer Theatermasken das erste Mal als bildhauerische Steinarbeit im Akropolis Museum in Athen gesehen. Was mir an dieser Art Masken gut gefällt ist, dass sie sich zwischen allen Gefühlen bewegen. Sie sind schrecklich und lustig, traurig und schalkhaft. Man kann sie nicht genau fassen. Auch der weibliche Kopf changiert zwischen maskulin und feminin. Und genau das ist für mich das Interessante: Man kann die Masken nicht einordnen. Die Geschichte und Tradition der griechischen Maske an sich spielt dabei keine Rolle. …
Astrid Kießling-Taşkın: Britta, wie ist deine Vorgehensweise, um zu deinen Motiven zu gelangen?
Britta Jonas: Ich gehe sehr intuitiv vor. Ich frage mich so etwas wie: Was braucht der Raum? In der Commerzbank hatte ich das Bedürfnis, dem Foyer dunkle Flächen zu geben. Ich wollte das helle, kühl anmutende Glas und Metall mit etwas Dunklem konfrontieren. Es ist für mich extrem wichtig, bei der Arbeit alles gedanklich im Unklaren zu lassen. Die Deutung des Ganzen entsteht dann eh’ aus dem Zusammenspiel von Raum, Kunstwerk und der Gedankenwelt des Betrachters. Und am Ende bin ich Betrachter wie jeder andere auch. …
Draperies – Artistic Spatial Concept in a Bank Lobby
The temporary installation Draperien was created following an invitation from the Commerzbank Foundation to participate in a series of artistic interventions in the lobby of the Commerzbank building in Frankfurt am Main.
Together with artist Amalia Barboza, I realized a work for this space. We were free in our artistic approach; only the building’s safety and fire protection regulations had to be observed.
The aim of the intervention was to transform and enhance the space through artistic means.
For my work, I made use of the column-like wall elements clad in frosted glass that structure the asymmetrical space. As a motif, I developed images of men in suits with rolling suitcases, positioned beneath large Greek theatrical masks. These masks visually replace the figures’ missing heads and allude to role models, anonymity, and staging within the context of the lobby as a space of work and transit.
On the glossy bluish-white frosted glass columns, I worked with matte and glossy adhesive films, creating subtle shifts between surface and image depending on the incidence of light.
The technical execution was carried out in collaboration with the Frankfurt-based company folienstar, which specializes in vehicle and large-scale commercial foil applications.
Location Commerzbank lobby, Frankfurt am Main
Dimensions size of applied surface: 640 cm × 200 cm
Material cuts from matte and glossy adhesive film
Photographer Cem Yüketas